Die zunehmende Abhängigkeit von vernetzten Systemen macht Gesellschaft, Wirtschaft und Staat besonders verwundbar gegenüber Störungen, die kaskadierende Effekte auslösen können. Großflächige Stromausfälle dienen als anschauliches Beispiel: Trotz geringer Eintrittswahrscheinlichkeit wären die Folgen kaum kontrollierbar, bestenfalls abmilderbar. Daraus leitet sich die zentrale Forderung ab, die Resilienz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) kurz- und mittelfristig systematisch zu erhöhen. In Deutschland ist KRITIS eng an regulatorische Vorgaben gekoppelt, eingebettet in EU-Initiativen (EPCIP, Richtlinie 2008/114/EC, NIS-Richtlinie) und nationale Gesetze (BSIG, IT-Sicherheitsgesetz, BSI-KritisV). Kritische Infrastrukturen werden konzeptionell in neun Sektoren und 29 Branchen gegliedert; Betreiber müssen u. a. Kontaktwege sicherstellen, erhebliche IT-Störungen melden, Maßnahmen nach „Stand der Technik“ umsetzen und diese alle zwei Jahre nachweisen, auch über Zertifizierungen oder Audits.
Branchenspezifische Anforderungen werden über B3S-Dokumente (Branchenspezifische Sicherheitsstandards) konkretisiert, die vom BSI genehmigt werden und typische Inhalte wie Schutzziele, Bedrohungslage, Risikomanagement und Prüfbarkeit abdecken. Anhand der Sektoren Energie, Ernährung/Wasser, Transport, Gesundheitswesen sowie Finanzen/Versicherungen wird gezeigt, wie stark IT zum operativen Rückgrat geworden ist: von Netzsteuerung, Lieferketten und Verkehrslenkung bis zu Patientenmanagement und digitalen Finanzprodukten. Ein DB-Szenario illustriert, wie privilegierte Zugriffe, Konfigurationsänderungen und Überwachung/Genehmigung zentral sind, um menschliche Fehler und Missbrauch zu reduzieren. Als Kernanforderung wird ein ISMS nach DIN ISO/IEC 27001 hervorgehoben, ergänzt durch Threat Intelligence/SOC-Fähigkeiten sowie eng integriertes Identity & Access Management und Privileged Access Management, um kompromittierte privilegierte Konten, technische Identitäten und Cloud-/DevOps-Zugriffe kontrollierbar, auditierbar und resilient zu machen.
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