Schlechte Software-Evaluation bringt Projekte zu Fall

Immer wieder stellen Unternehmen die Frage, welches die beste Software für einen bestimmten Anwendungsbereich sei. Die richtige Antwort lautet: Es gibt nicht die beste Software sondern nur jene, die am besten zu den Anforderungen passt. Gleichzeitig taugt die geeignetste Lösung nichts, wenn sie falsch implementiert wird.

Bei der Software-Evaluierung schauen Unternehmen oft auf die „Bestenlisten“, also beispielsweise vergleichende Bewertungen von Analysten. Es werden Hersteller-Entscheidungen getroffen, weil der Anbieter eine wichtige Stellung im Unternehmen hat. Es werden Systemintegratoren gefragt, die nur ganz wenige der Produkte im Markt wirklich kennen und vor allem nur ganz wenige davon implementieren.

In der Konsequenz wird oft nur eine kleine Liste von Herstellern betrachtet, ohne den Schritt von der „long list“ zur „short list“ strukturiert und valide durchgeführt zu haben. Und gar zu häufig wird überhaupt kein richtiger Auswahlprozess durchgeführt, dem auch eine Analyse der Anforderungen vorausgehen muss Das Ergebnis sind dann leider allzu oft Projekte, die nicht so verlaufen, wie man sich das vorgestellt hat.

Manche Projekte scheitern ganz, andere verfehlen die Erwartungen. Gerne wird die Vorgehensweise damit begründet, dass die Zeit nicht ausreicht oder man zu bestimmten Herstellern oder Systemintegratoren ein besonderes Vertrauensverhältnis hat. Dieses ist oft auch berechtigt – nur: Wer eine perfekte Lösung für einen Bereich liefert, muss das noch längst nicht für andere Bereiche machen.

Alle Lösungen mit einbeziehen

Der Blick auf vergleichende Bewertungen ist dabei sicher sinnvoll. Allerdings sollte man diese auch richtig interpretieren und wissen, wie sie entstehen. Solche Bewertungen sind schon durch ihr Konzept sehr allgemein. Der beste Hersteller muss dabei nicht derjenige sein, der am besten zu den Anforderungen passt – es gibt durchaus Gründe, warum es einen Wettbewerb gibt.

Einer davon ist, dass es verschiedene Lösungsansätze geben kann, die zu durchaus unterschiedlichen Produkten in einem Marktsegment führen. Nebenbei bemerkt: Auch die Frage danach, ob das betrachtete Marktsegment wirklich das ist, dessen Produkte die eigenen Anforderungen lösen, sollte gestellt werden.

Software-Hersteller und System-Integratoren sorgfältig wählen

Wie bereits angeführt, ist ein Vertrauensvorschuss für bestimmte Hersteller durchaus zulässig. Nur ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Das gilt auch für Software-Anbieter. Ohne Frage besitzen IBM, Microsoft, Oracle oder SAP – um nur einige zu nennen – eine starke Lobby im Unternehmen und können bereits auf viele erfolgreiche Implementierungen in verschiedenen Bereichen verweisen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass deren Produkte auch für die neue Aufgabenstellung am besten geeignet sind. Das kann so sein, muss es aber nicht. Die Ansätze wie „Buy IBM and you won’t be fired“ (oder Microsoft oder Oracle oder SAP) sind nicht die besten Entscheidungskriterien.

Das Vertrauen auf Systemintegratoren kann auch kritisch werden. Besonders dann, wenn sie sich auch um die Implementierung kümmern sollen und nur sehr wenige Produkte eines Marktsegments in ihrem Portfolio haben – oder nur sehr wenige wirklich aktiv und regelmäßig in Projekten umsetzen.

Das Risiko, dass die Auswahlentscheidung weniger objektiv ist und nicht alle Optionen einbezieht, ist hier durchaus gegeben. Manchmal geht das gut, manchmal aber auch nicht. Grundsätzlich ist eine Trennung zwischen der Unterstützung bei der Produktauswahl und der Umsetzung sicher eine gute Idee.

Manchmal sind es eben nicht die Marktführer und nicht die Produkte im Portfolio des Systemintegrators der Wahl, die am besten zu den Anforderungen passen, sondern ganz andere Lösungen. Deshalb sollte die short list auch nicht dadurch entstehen, dass man kurz überlegt, wen man kennt, sondern mit Blick auf den Gesamtmarkt.

Aus einer solchen long list lässt sich schnell auch eine short list erstellen, indem man wenige wichtige Kriterien funktionaler und nicht-funktionaler Art (wie beispielsweise auch die Einschätzung der finanziellen Stabilität) einfließen lässt. Entscheidend ist dann aber, dass man weiß, was die Anforderungen sind und nach diesen Kriterien eine genaue Bewertung der verbleibenden Anbieter vornimmt, um sich dann sehr wenige näher anzuschauen und gegebenenfalls einen PoC (Proof of Concept) durchzuführen.

Der Aufwand für einen solchen Auswahlprozess ist, richtig gemacht, durchaus überschaubar. Das Risiko von Produktentscheidungen wird damit deutlich verringert. Dennoch wird es immer noch viel zu selten gemacht. Übrigens ändert sich das auch nicht in den Zeiten der Cloud: Denn dort geht es dann um die richtige Auswahl des Cloud-Anbieters, und auch die will wohlüberlegt sein.



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