Integralis wird Security-Arm von NTT

Der japanische Telco-Riese NTT (Nippon Telephone & Telegraph) will mit der Übernahme der in Ismaning bei München ansässigen Integralis AG zum weltweiten Provider von Managed Security und Identity Management aufsteigen. Integralis (511 Mitarbeiter, €167 Mio. Umsatz) wird in die IT-Tochter NTT Communications (13.000 Mitarbeiter, €10 Mrd. Umsatz) als neue Division eingegliedert.

NTT machte am Dienstag den Aktionären von Integralis das Angebot, ihnen ihre Anteile zu einem Stückpreis von €6,75 abzukaufen. Am Vortag lag der Börsenkurs bei rund €5, im Februar dümpelte der Kurs bei €2,16. Die Anleger machen also kurzfristig Kasse: Der Kaufpreis enthält eine Prämie von 70 Prozent auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate und soll in bar entrichtet werden. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkte des Dotcom-Wahns lag der Kurs von Integralis zeitweilig bei €165.
 
In jüngster Zeit verfolgte Integralis eine aggressive internationale Expansionsstrategie, die sich in der Gründung oder Übernahme von Firmen in den USA, im Nahen Osten und in Asien niederschlug. Gleichzeitig setzte das Unternehmen immer mehr auf Managed Security Lösungen sowie auf Identity Management als Service. Dazu unterhält Integralis ein Netz von SOCs (Security Operations Centers), die im „Follow-the-sun“-Betrieb rund um die Uhr arbeiten. NTT hat bislang lediglich ein einziges eigenes SOC in Japan unterhalten und ansonsten auf diesem Gebiet mit der IBM-Tochter ISS als Dienstleister zusammengearbeitet. Nach der Übernahme von Integralis können die Japaner mit eigener Kompetenz und 24-Service bei ihren Kunden punkten.

Ich habe am Tag der Bekanntmachung mit Integralis-Chef Georg Magg gesprochen, der bestätigte, dass sein Unternehmen bereits seit einigen Monaten nach einem Übernahmepartner sucht. „Wir sind zu klein, um die ganz großen Projekte zu stemmen.“ Als der Sicherheits-Spezialisten des japanischen Konzerns ist er überzeugt, dass sich neue Türen bei ganz großen Kunden öffnen werden, die bislang verschlossen waren.

Im Bereich Identity & Access Management hat Integralis vor ein paar Jahren mit dem Aufbau von Managed Services begonnen, die sich bislang allerdings weitgehend auf Authentication-Lösungen beschränken, die wahlweise überwacht, betrieben oder sogar gehostet werden können. Damit ist Identity Management für Integralis, auch wenn man das dort teilweise anders sieht, im Grunde nur ein Teilaspekt von IT Security – eine Sichtweise, die nach Meinung von KCP viel zu kurz greift.

Es wird deshalb spannend sein zu sehen, ob die Übernahme durch NTT und der dadurch gewonnene finanzielle Spielraum dazu genutzt werden wird, das Angebot im Bereich IAM gezielt auszubauen im Sinne von „Identity as a Service“ – wozu das Unternehmen technisch und von der Kompetenz her durchaus in der Lage wäre. Nur werden die Weichen dazu jetzt in Tokio gestellt und nicht mehr in Ismaning.

NTT war nur einer von mehreren Interessenten für Integralis, hat aber vermutlich das beste finanzielle Angebot abgegeben. Strategisch hätte man sich durchaus bessere Partner für Integralis vorstellen können – zum Beispiel gerade eine IBM. Sogar ein Weitermachen aus eigener Kraft hätten wir dem Unternehmen zugetraut. Dass die Aktionäre von Integralis nach einer jahrelangen Berg- und Talbahnfahrt endlich Kassensturz machen wollten, ist natürlich verständlich, aber schade. Ob die Kombination eines deutsch-britischen, also hauptsächlich zentraleuropäisch ausgerichteten Mittelständlers mit einem fernöstlichen Konzernriesen wirklich die erhofften Synergien in vollem Umfang bringen wird, darf bezweifelt werden. NTT hat zwar ein paar Großkunden in Europa gewinnen können (namentlich die Deutsche Lufthansa), tut sich aber ansonsten schwer, hier wirklich Fuß zu fassen. Vieles wird davon abhängen ob es gelingt, die Sicherheits-Dienste von Integralis vollständig mit dem umfangreichen Portfolio von Managed Services bei NTT zu verzahnen. Und davon, ob die neuen Eigentümer der Integralis-Mannschaft weiterhin freie Hand lassen – oder sie mit typisch fernöstlichem Mikromanagement über Zeit zermürben. Denn eines ist klar: Das größte Kapital von Integralis sind ihre ausgewiesenen Fachleute. Die sind schwer, wenn überhaupt, zu ersetzen, dafür sind sie heiß umworben. Ein Exodus der besten Köpfe wäre fatal.



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