Der wirtschaftliche Hintergrund des Cloud Computings

Wenn man heute mit IT-Verantwortlichen spricht, tauchen immer häufiger zwei Begriffe auf, die in der englischen (und in der IT dominierenden) Sprache mit CapEx und OpEx abgekürzt werden. Es geht dabei um Investitions- und Betriebskosten - Capital Expenditure und Operational Expenditure. Beide Begriffe sind aus der Betriebswirtschaft hinlänglich bekannt, aber sie gewinnen auch in der IT immer mehr an Gewicht.

Der aktuelle Trend geht dahin, Investitionen (CapEx) zu vermeiden und gleichzeitig die Betriebskosten (OpEx) im Griff zu behalten. Um das in der IT zu erreichen, gibt es vor allem zwei Konzepte. Das einfachere und in vielen Bereichen etablierte Modell ist das Leasing. Dabei werden einmalige Investitionen vermieden und höhere laufende Zahlungen als Betriebskosten in Kauf genommen. Auffällig ist, dass in den vergangenen beiden Jahren die Zahl der Softwareanbieter, die Leasing-Modelle anbieten, deutlich gestiegen ist. Allerdings ist dabei zu beachten, dass Leasing bilanzrechtlich oft als CapEX gesehen wird – der Blick gilt hier allerdings primär den veränderten Zahlungsströmen (Cash-Flow).

Leasing ist allerdings gerade bei der Software nur eine Teillösung, weil neben den Softwarekosten meist auch Projektkosten anfallen, die oftmals ein Mehrfaches der Investitionskosten betragen. Und, mehr noch: Leasing-Verträge haben definierte Laufzeiten und sind damit eben doch eine zeitlich gestreckte Investition und weniger eine operative Nutzung definierter Dienste.

Das macht Themen wie das »Cloud Computing« – in diesem Fall mit Blick auf externe Dienstleistungen – für Unternehmen so interessant. Denn dabei werden (zumindest im Idealfall) die Projektkosten vermieden und, durch entsprechende Lizenzmodelle, die Flexibilität geschaffen, um Dienste dann zu nutzen wenn man sie wirklich benötigt. Es gibt fertig konfigurierte Services, die man einfach nutzen kann. Es geht also nur noch um die Betriebskosten (OpEx).

Der Vorteil ist damit einerseits die bessere Kalkulierbarkeit, andererseits aber auch die Vermeidung von Investitionskosten mit ihren oft langen steuerlichen Abschreibungszeiträumen. Nach den aktuellen Abschreibungsregeln gelten beispielsweise für viele IT-Güter wie Bildschirme ab einem Preis von 150 Euro netto heute Zeiträume für die lineare Abschreibung von fünf Jahren.

Der vermehrte Blick auf CapEx und OpEx ist ein Grund dafür, dass zunehmend mehr Produkte entweder in Form von virtuellen oder physischen Appliances angeboten werden, fertig zum Einsatz. Und er ist der Grund dafür, dass gerade komplexere Infrastrukturelemente wie beispielsweise Lösungen für das Infrastrukturmanagement als verwaltete Dienste (SaaS, Software as a Service) angeboten werden. Das Ziel ist klar: Den Kunden soll die Hürde hoher Investitionskosten für Hardware, Software und Projektkosten genommen werden, damit sie eben doch kaufen. Die Investition wird also auf die Herstellerseite verlagert. Klar ist aber auch, dass viele Ansätze das Problem allenfalls tangieren, aber nicht lösen – denn Appliances reduzieren zwar (hoffentlich) Investitionskosten, sind aber immer noch CapEx.

Zudem sollte man immer den Blick für die Realität behalten. Beim Leasing und beim Cloud Computing wollen die Anbieter auch weiterhin verdienen. Bei professionellen IT as a Service-Angeboten aus der Cloud kann der Vorteil dabei durchaus dadurch entstehen, dass ein zentraler Dienstleister in der Lage ist, die Dienste sehr viel effizienter und damit günstiger zu produzieren. Dennoch ist eine kritische Distanz geboten. Denn nicht immer ist der minimierte »CapEx« tatsächlich die betriebswirtschaftlich beste Lösung. 

Viel wichtiger ist aber ohnehin der Blick auf die Möglichkeiten, die das Cloud Computing neu schafft, weil man Anwendungen nicht selbst betreiben muss. Deshalb ist es nun möglich, sich in viel mehr IT-Bereichen als zuvor die Frage zu stellen, ob man in etwas investiert oder ob man es nur mietet. Genau das ist auch der Grund, warum sich CIOs vermehrt mit dieser Fragestellung beschäftigen. Cloud Computing bietet ihnen die Möglichkeit, die Kapitalbindung ihrer Unternehmen im IT-Bereich zu reduzieren, indem sie aus Leasing- oder klassischen Lizenzverhältnissen aussteigen und auf ein Mietverhältnis umschwenken. Das Hauptanliegen ist dabei, ein Maximum an Sicherheit mit einem Maximum an Flexibilität zu kombinieren. Ideal wäre es hier natürlich, wenn der Serviceanbieter einen Vertrag von sich aus nicht beenden kann, der Mieter dies jedoch jederzeit kurzfristig tun kann und damit den Leasing-Charakter mit seiner geringen Flexibilität zu vermeiden.

Der Trend hin zu flexibleren Modellen und zu »OpEx statt CapEx« ist heute da. Die Antworten, die darauf gegeben werden, sind aber nicht immer valide. Das gilt für viele Angebote außerhalb des Cloud Computings, aber auch für viele Lizenzmodelle im Cloud Computing. Hier wird sich in den kommenden Jahren noch einiges bewegen, weil der Druck der Kunden da ist und die Anbieter zur Reaktion zwingt.



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