Der elektronische Personalausweis: eine neue Chance für digitale Signaturen

Der elektronische Personalausweis (ePA) wird ab dem kommenden Jahr neue Möglichkeiten für die Sicherheit elektronischer Geschäftsprozesse schaffen. Denn auf dem ePA kann auch das Zertifikat für eine qualifizierte elektronische Signatur abgelegt werden. Die Chance, dass das Konzept der qualifizierte elektronische Signatur dadurch endlich die kritische Masse erreicht, wächst mit dem ePA auf jeden Fall signifikant.

Die qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist nicht neu. Das entsprechende Signaturgesetz gibt es bereits 2001, wobei es bereits in einer Vorstufe 1997 als Teil des Informations- und Kommunikationsdienstgesetz (IuKDG) erlassen wurde. Das Konzept ist, dass ein ZDA (Zertifizierungsdiensteanbieter, also eine Zertifizierungsstelle) die für elektronische Signaturen erforderlichen Zertifikate ausgibt. Damit können Dokumente im elektronischen Geschäftsverkehr signiert werden. Das können beispielsweise Verträge oder Formulare sein.

Das Problem dabei ist, dass die Verbreitung der qualifizierte elektronische Signatur bis heute noch nicht die Erwartungen erfüllt hat. Das liegt sicherlich einerseits daran, dass man oft eben doch auf Papier zurückgeht, wenn es um rechtsverbindliche Unterschriften geht. Zum anderen fehlt in der breiten Öffentlichkeit sicher auch das Wissen um das Vorhandensein ebenso wie den Sinn und Zweck der qualifizierte elektronische Signatur.

Der neue ePA wird nun eine Reihe von Informationen speichern können: Neben Fingerabdruckinformationen sowie erweiterten Attributen zur Identität gehört dazu eben auch ein Zertifikat für die qualifizierte elektronische Signatur. Das ist allerdings optional – und es ist ein kostenpflichtiger Dienst.

Die Kostenpflichtigkeit ergibt sich dadurch, dass das Signaturgesetz eine Ausgabe solcher Zertifikate durch eben die ZDAs vorsieht. Das dadurch vorgesehene Geschäftsmodell muss entsprechend auch beim ePA beachtet werden. Daher müssen die Zertifizierungsdiensteanbieter einbezogen werden und sind die Lieferanten nach dem SigG.

Die Zertifikate können aber online bei jedem Zertifizierungsdiensteanbieter nach Wahl des Bürgers nachgeladen werden. Entsprechende Erweiterungen im Signaturgesetz stellen das sicher – und (wenig überraschend) werden auch die ZDAs mitspielen, da sie natürlich die Chance auf eine ungleich breitere Nutzung der QES sehen. Denkbar sind aber auch Kooperationsmodelle zwischen Kommunen, die über die Meldestellen ja den ePA ausgeben, und Zertifizierungsdiensteanbietern.

Die Kombination von ePA und qualifizierte elektronische Signatur ist in jedem Fall interessant. Man erhält eine einfach transportable qualifizierte elektronische Signatur, die man zukünftig an jedem Rechner mit einem Reader für den ePA nutzen kann. Und man kann auch davon ausgehen, dass das Konzept der qualifizierten elektronischen Signatur schon durch die wachsende Diskussion und Information über den ePA stärker ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit rücken wird.

Wichtig ist auch, dass man die qualifizierte elektronische Signatur gesondert beziehen kann und es eben keine Aufgabe der Meldeämter sein wird (wenn auch eine denkbare Option), diese mit bereitzustellen. Die Chance, dass sich die qualifizierte elektronische Signatur sehr viel stärker verbreitet, ist dadurch groß.

Das wird aber von mehreren Faktoren abhängen: Einem aktiven Marketing auch durch die ZDAs, die ja ein geschäftliches Interesse daran haben, mehr Anwendungsfällen für den ePA und einer Aufklärung über die Chancen und Möglichkeiten des ePA, um der (übliche und zu erwartende) Panikmache bezüglich der angeblichen Risiken entgegenzuwirken.

Gerade an der qualifizierten elektronischen Signatur wird deutlich, dass der ePA durchdacht ist und eine der interessantesten Lösungen an der Schnittstelle zwischen Staat und Bürgern überhaupt ist. Und wenn es gelingt, auf diesem Weg die qualifizierte elektronische Signatur deutlich populärer zu machen, können Unternehmen auch viele Geschäftsprozesse sicherer und effizienter gestalten. Die Chance jedenfalls, dass das Konzept der qualifizierte elektronische Signatur die kritische Masse erreicht, wächst mit dem ePA auf jeden Fall signifikant.



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