English   Deutsch

Virtualisierung statt Integration?

Die Tücken liegen im Detail
by Martin Kuppinger
mk@kuppingercole.com

Wer sich schon etwas intensiver mit Meta Directory-Diensten, aber auch dem Provisioning auseinander gesetzt hat, weiß, dass die Tücken im Detail liegen. Die Implementierungszeiträume sind je nach Leistungsumfang der Implementierung oft im Bereich von 6 bis 9 Monaten, manches Mal sogar über einem Jahr. Die Projektkosten sind entsprechend. Solche Laufzeiten und die damit verbundenen Kosten sind in einer Zeit, in der es darum geht, mit der IT konkrete Antworten auf drängende Geschäftsprobleme zu geben und nicht große Infrastrukturprojekte aufzusetzen, schwierig zu vermitteln. Deutlich beliebter sind hingegen kurze Projektzeiten, schnelle ROIs und perfekte Lösungen für die drängenden Geschäftsprobleme.

Genau das versprechen die Anbieter von virtuellen Verzeichnissen (Virtual Directories). Doch wie fast immer in solchen Fällen gilt, dass in diesem Versprechen ein Teil Wahrheit steckt, dass aber alles nicht so einfach ist, wie man es gerne hätte. Virtuelle Verzeichnisse sind am einfachsten zu verstehen, wenn man sich mit relationalen Datenbanksystemen auskennt. Dann muss man sich diese Verzeichnisse einfach als Analogie zu Views auf Datenbanken vorstellen und weiß, was es ist. Da das aber nicht jedem weiterhilft, noch eine etwas ausführlichere Erklärung.

Die Informationen in Verzeichnissen werden als Objekte gespeichert. Ein typisches Objekt sind Benutzer. Diese Objekte haben Attribute, wie beispielsweise einen Benutzernamen, ein Kennwort oder den Standort des Büros. Da es ziemlich viele solcher Objekte geben kann, werden diese weiter strukturiert. Dazu werden hierarchische Strukturen mit Organisationen wie Firmen, organisatorischen Einheiten wie Abteilungen oder auch Domänen verwendet. Bedauerlicherweise liegen nicht alle Informationen in einem Verzeichnis, sondern sind in größeren Unternehmen typischerweise auf viele Verzeichnisse verteilt. Dort gibt es unterschiedliche Objekte mit unterschiedlichen Attributen und es gibt unterschiedliche Strukturierungen. Und es gibt natürlich auch für einen Benutzer mehrere Objekte in verschiedenen Verzeichnissen.

Virtuelle Verzeichnisse möchten nun eine logische Struktur schaffen, in denen Teile der Informationen aus verschiedenen Verzeichnissen zusammengefasst werden. Da die Daten nicht hin und her kopiert und synchronisiert werden müssen, lassen sich verschiedene solche Strukturen einfach schaffen. Damit können die Informationen aus einem oder mehreren Verzeichnissen den Anwendungen, die diese benötigen, in jeweils genau der richtigen Form bereitgestellt werden. Die Anwendung greift auf ein Verzeichnis zu, das es so gar nicht gibt. Es ist virtuell, die Informationen werden nach Bedarf zusammengezogen. Hersteller wie Radiant Logic oder Octet String können mit diesem Konzept insbesondere in den USA auf beachtliche Verkaufserfolge verweisen.

Doch die Tücke liegt im Detail. Wie werden die Daten aufeinander abgebildet? Wie sieht es mit der Performance aus, wenn die Daten erst zusammengesammelt werden müssen? Was passiert, wenn eines der Quellsysteme nicht verfügbar ist? Das sind nur ein paar der Fragen, die sich stellen. Es gibt darauf immer valide Antworten, die aber auch zu mehr Aufwand führen. Das Ergebnis ist, dass virtuelle Verzeichnisse eine wichtige Ergänzung zu anderen Konzepten wie der Provisionierung und den Meta Directory-Diensten sind. Denn sie machen es, wenn man beispielsweise einmal die Regeln dafür definiert hat, wie die verschiedenen Benutzerobjekte für MartinK in den verschiedenen Verzeichnissen bezeichnet sind und wie sie zusammengeführt werden müssen, einfach, weitere Varianten - virtuelle Verzeichnisse - zu realisieren. Daher kann es auch nicht überraschen, dass beispielsweise Novell auch an diesem Konzept arbeitet, um eine Ergänzung zu den vorhandenen Verzeichnisdiensten, Meta Directory-Diensten und Provisioning-Lösungen zu haben. Aber eben als Ergänzung und nicht als Ersatz. Und wohl auch mit dem Wissen, dass auch virtuelle Verzeichnisse keine Wunder bewirken können. Wenn sich die Daten in verschiedenen Verzeichnissen nur schwer aufeinander abbilden lassen, wachsen auch dort die Projektaufwände. Wenn die Strukturen einfach sind, geht es schneller. Wie bei Meta Directory-Diensten und wie bei jedem anderen Ansatz für die Integration von Informationen.

Created: 10.01.04, modified: 30.08.04

top
KuppingerCole Select
Register now for KuppingerCole Select and get your free 30-day access to a great selection of KuppingerCole research materials and to live trainings.
Register now
Research
KuppingerCole CIO GPS
The KuppingerCole CIO GPS shows the nine areas CIOs should focus on for IT Spend Optimization, Business IT/Alignment, and Strategic Procurement, when looking at GRC (Governance, Risk Management, Compliance) and Information Security. GPS stands for Governance, Privacy and Data Protection, and Security.
KuppingerCole BII: The Business Impact Indicator
The KuppingerCole BII is a Business Impact Indicator for Information Technology. It shows the business value a particular technology or initiative can deliver, in a single and clearly laid out graphic. It complements other KuppingerCole research methodology that shows which technologies are best for achieving the targets in IT Spend Optimization, Business/IT Alignment, and Strategic Procurement.
Services
KuppingerCole Analyst Services
In the networked economy of the 21st century, digital identities play a key role in establishing trust, achieving security, lowering costs and making business processes more efficient. Things like Identity and Access Management (IAM) or...
KuppingerCole Vendor Services
The market for Identity and Access Management (IAM), governance, risk management, and compliance (GRC) and cloud computing is expanding by leaps and bounds. In fact, no other segment of the IT market can boast such dynamic growth rates. At the...
KuppingerCole Briefings
KuppingerCole welcomes the opportunity to hear from IT companies when they launch a new product or service or have other interesting progress to announce. Please fill in the request form , and we will contact you shortly. 
Links
 KuppingerCole News

 KuppingerCole on Facebook

 KuppingerCole on Twitter

 KuppingerCole on Google+

 KuppingerCole at LinkedIn

 Our group at LinkedIn

 Our group at Xing

 GenericIAM
Imprint Terms and conditions Privacy policy
© 2003-2013 KuppingerCole